Frankreich

Unsere Forschungsprojekte in Frankreich haben einen Bezug zur eiszeitlichen Höhlenkunst:

Fährtenleser der Kalahari lesen in steinzeitlichen Fussspuren

Im Sommer 2013 stand ein besonderes wissenschaftliches Projekt des Neanderthal Museums und der Universität zu Köln an: Dr. Andreas Pastoors und Dr. Tilman Lenssen-Erz haben mit drei Fährtenlesern aus Namibia eiszeitliche Bilderhöhlen in Frankreich besucht. Ziel war es, das spezielle Wissen der Fährtenleser für die Interpretation von eiszeitlichen menschlichen Fußabdrücken zu nutzen. Begleitet wurde das Projekt von einem Filmteam welches für arte eine Dokumentation erstellen wird. Einen kurzen filmischen Beitrag finden Sie hier.

Vom Ende der letzten Eiszeit haben Menschen in Höhlen nicht nur Felsbilder hinterlassen, sondern auch ihre eigenen Abdrücke im plastischen Untergrund. Solche Abdrücke von Füßen und Händen sind seit über 100 Jahren bekannt und wurden nach traditionellen anthropologischen Methoden des westlichen Wissenschaftskanons untersucht. In diesen Kanon ist aber die ursprüngliche Fähigkeit des Menschen, solche Fährten zu interpretieren niemals als wissenschaftlich fruchtbare Methode aufgenommen worden. Dieses Wissen und die damit verbundenen Fähigkeiten haben heute nur noch wenige Menschen. Dazu gehören die erfahrenen Jäger der Ju/hoansi (‚Buschleute') aus der Kalahari (Namibia). Drei von ihnen wurden mit den eiszeitlichen menschlichen Fährten in südfranzösischen Höhlen konfrontiert und ihre Interpretationen zu Protokoll genommen. An jeder der untersuchten Bilderhöhlen haben die Fährtenleser nicht nur sachliche Erklärungen um die Fußabdrücke geliefert, sondern auch jeweils bislang unbekannte Abdrücke gefunden. Das Projekt ist so erfolgreich gelaufen, dass ein Nachfolgeprojekt in Planung ist.

Gefördert durch die DFG: LE 1117/4 (2013). Lebensbilder eiszeitlicher Höhlenkünstler. Modelluntersuchungen zu Aktivitäten in Höhlenräumen im Kontext der Wandkunst.

Soziale Netzwerke im Magdalénien der Pyrenäen

Das beantragte Forschungsvorhaben untersucht anhand von Bildartefakten und Ressourcenmanagement beispielhaft Raumkonzepte magdalénienzeitlicher Wildbeuter am Nordrand der Pyrenäen. Mit diesem ganzheitlichen Ansatz soll versucht werden, Zugang zu sozialen, religiösen und ökonomischen Aspekten räumlicher Konzepte bei eiszeitlichen Wildbeutern zu finden. Ausgehend von der zentralen Fundstelle Enlène/Les Trois-Frères wird in einem radialen Untersuchungsprozess über räumlich-statistische Methoden das Beziehungsgeflecht einer gesamten Kleinregion erfasst. Das überaus reiche archäologische Fundmaterial von Enlène/Les Trois-Frères macht es wahrscheinlich, dass hier ein Lagerplatz von übergeordneter Bedeutung im magdalénienzeitlichen Siedlungssystem vorliegt.

Eine solche integrative Vorgehensweise ist in der paläolithischen Forschung zu Bildartefakten bislang noch nicht durchgeführt worden. Sowohl Bildartefakte als auch ökonomische Aspekte zur Rekonstruktion von Raumkonzepten wurden bisher nur getrennt analysiert. Der hier gewählte holistische Ansatz ist innovativ und bietet die Chance, eine leistungsstarke Methode zu entwickeln.

Gefördert durch die DFG: WE 1022/12 (seit 2013). Kommunikation und Ressourcennutzung. Modelluntersuchungen zu Raumkonzepten magdalénienzeitlicher Wildbeuter.

Besiedlungsgeschichte des Volp-Tals

Projekt beendet

Im Tal des Volp wird systematisch nach neuen Fundstellen gesucht, um die Besiedlungsgeschichte dieser Kleinregion zu erforschen. Bislang konnten zwei steinzeitliche Fundstellen im Schatten der berühmten Volp-Höhlen in den letzten Jahren systematisch untersucht und publiziert werden.

Perte de la Tuilerie

1995 wurden in der kleinen Höhle Perte de la Tuilerie Gravierungen entdeckt. In einer lang gestreckten engen Galerie finden sich die Gravierungen von einem Pferd, einem Steppenwisent und einem unbestimmbaren Tier. Von besonderem Interesse ist der Stil in dem der Steppenwisent gezeichnet wurde. Mit einem überproportional großen Vorderkörper und Kopf gleicht er Zeichnungen in Pech-Merle aber auch in Niaux.

Abri du Rhinocéros

Unmittelbar oberhalb des Eingangs zur Höhle Tuc d'Audoubert befindet sich das kleine Abri du Rhinocéros. Im Sommer 1912 hat hier die Familie Bégouën kleine Ausgrabungen durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind bis heute vollkommen unbekannt. Im Rahmen der Arbeiten in Tuc d'Audoubert hat das Neanderthal Museum punktuell Nachuntersuchungen durchgeführt. So konnte nachgewiesen werden, dass das Felsschutzdach bereits im Mittelpaläolithikum von Wildbeutern aufgesucht worden ist. Dies ist ein wichtiges Ergebnis zum Verständnis der Nutzungsgeschichte der Kleinregion um die Volp-Höhlen.

Interpretation von Höhlenbildern über die Hintertreppe

Projekt beendet

Die spektakulären prähistorischen Bilder an Felswänden sowohl im Freiland als auch im Dunkeln von Höhlen ziehen immer wieder die Aufmerksamkeit der Forschung und auch der Medien auf sich. Menschen haben durch die Bilder eine Naturlandschaft in eine markierte Landschaft umgewandelt. So werden z.B. Landmarken gekennzeichnet oder an Wasserstellen Zeichnungen und Malereien angebracht. Mit den anderen prähistorischen Hinterlassenschaften alltäglicher oder auch ritueller Aktivitäten finden sich weitere Elemente, die zum Verständnis dieser Bilder beitragen. Während die Forschung zur Einbindung der Felsbilder in den landschaftlichen Kontext im Freiland bereits auf einer breiten Daten- und Methodenbasis steht, wird mit ihrer Übertragung und Anpassung an die Verhältnisse in Höhlen Neuland betreten.

gefördert durch den DAAD (1999-2001). Siedlungsfunde des Magdalénien in den Höhlenheiligtümern Les Trois-Frères und Tuc d'Audoubert (Ariège). Zum Verständnis der Nutzung von Höhlenheiligtümern.

gefördert durch die DFG: WE 1022/6 (2001-2004). Paläolithische Wandkunst und Siedlungsverhalten in Höhlensystemen. Eine Fallstudie der Volp-Höhlen (Frankreich).

Weitere Infos: Association Louis Bégouën, Wissenschaftliche Schriften

Literatur

Besiedlungsgeschichte des Volp-Tals

Bégouën, Robert; Berke, Hubert; Pastoors, Andreas (im Druck): L'Abri du Rhinocéros à Montesquieu-Avantès (France). In: Bulletin de la Société Préhistorique de l'Ariège.

Pastoors, Andreas; Bégouën, Eric (2000): La Perte de la Tuilerie. Die Entdeckung einer Höhle mit Wandkunst im Tal des Volp (Ariège). In: Archäologisches Korrespondenzblatt 30 (3), S. 327-333.

Bégouën, Robert; Fritz, Carole; Tosello, Gilles; Clottes, Jean; Faist, François; Pastoors, Andreas et al. (2007): "Les Magdaléniens modelaient aussi l'argile". In: Les Dossiers de l'Archéologie 324, S. 30-37.

Bégouën, Robert; Fritz, Carole; Tosello, Gilles; Clottes, Jean; Pastoors, Andreas; Faist, François (2009): Le sanctuaire secret des bisons. Il y a 14 000 ans dans la caverne du Tuc d'Audoubert ... Paris: Somogy.

Keding, Birgit; Lenssen-Erz, Tilman; Pastoors, Andreas (2007): Pictures and pots from pastoralists. Investigations into the prehistory of the Ennedi highlands in NE Chad. In: Sahara 18, S. 23-46.

Pastoors, Andreas (2003): Höhlenkunst und Raum: Methodische Überlegungen zur Analyse von Konzepten der Höhlengestaltung auf der Grundlage der Höhle Djara (Ägypten). In: Andreas Pastoors und Gerd C. Weniger (Hg.): Höhlenkunst und Raum: Archäologische und architektonische Perspektiven. Düsseldorf: Jan van der Most (Wissenschaftliche Schriften des Neanderthal Museums, 3), S. 47-64.

Pastoors, Andreas (2003): Tagungsbericht: Höhlenkunst und Raum: Archäologische und architektonische Perspektiven. Neanderthal Museum (Mettmann). In: Archäologische Informationen 25, S. 137-138.

Pastoors, Andreas; Bégouën, Robert; Clottes, Jean (1999): Tuc d'Audoubert (Ariège, Frankreich). Vorbericht über archäologische Prospektionen in den unteren Galerien der Höhle. In: Archäologisches Korrespondenzblatt 29 (2), S. 147-154.

Pastoors, Andreas; Weniger, Gerd C. (Hg.) (2003): Höhlenkunst und Raum: Archäologische und architektonische Perspektiven. Neanderthal Museum. Düsseldorf: Jan van der Most (Wissenschaftliche Schriften des Neanderthal Museums, 3).

Interpretation von Höhlenbilder über die Hintertreppe

Pastoors, Andreas; Weniger, Gerd C. (2011): Cave art in context: Methods of spatial organisation in the analysis of caves with Palaeolithic rock art. In: Journal of Archaeological Research 19 (4), S. 377-400.

Pastoors, Andreas; Weniger, Gerd C. (2011): Höhlenbilder in ihrem Kontext: Methoden der Raumplanung bei der Analyse eiszeitlicher Bilderhöhlen am Beispiel von Lascaux (Dordogne, Frankreich). In: Ulrike Wulf-Rheidt und Peter Schneider (Hg.): Licht-Konzepte in der vormodernen Architektur. Regensburg: Schnell und Steiner (Diskussionen zur Archäologischen Bauforschung, 10), S. 15-30.